Warum "2985 - Macht der Frauen"?

Bei der Vorstellung des Romans wurde ich von einer Frau gefragt: "Sie mögen Frauen, nicht wahr?" Eine andere Frau fragte mich:"Warum haben Sie den Roman geschrieben?" Die erste Frage konnte ich ohne nachzudenken bejahen, über die zweite Frage mußte ich nachdenken, ja warum eigentlich? Die Antwort wurde so lang, dass ich sie aufgeschrieben habe.

Hier ist die Antwort:

Die Frauen wurden in ihrer Geschichte mißbraucht, ausgebeutet und obendrein noch beschimpft als Huren, minderwertige Menschen. Was wäre, wenn sie sich ihrer Macht bewußt würden?

 

                                            Warum dieser Roman?


Der Roman ist nicht als Action-Roman nach Art der üblichen Science-fiction zu verstehen. Er projiziert „Lysistrata" unter den Bedingungen des Orwellschen Staates verbunden mit den Zielen in Huxleys „Schöne neue Welt" in das 21. Jh. Die Trilogie könnte vordergründig zu Mißverständnissen führen, wegen der direkten Sprache, die hier aber nur als Transportmittel zu verstehen ist, als „Transmissionsriemen"zwischen zwei völlig verschiedenen Empfindungsebenen. Deswegen hier einige Sätze zur Erklärung vorweg.
Den Anstoß für die Trilogie gab die Empörung über die Mißachtung und die Mißhandlungen der Frauen. Die Brutalität, die Gewaltanwendung, die Mißachtung der Frauen finden paradoxerweise in dem Umfeld statt, in dem das männliche Verhalten den tatsächlichen Abhängigkeitsverhältnissen diametral entgegengesetzt ist, und sie finden statt, weil das so ist. Dies aufzuzeigen ist eine Absicht. Ich versuche das Problem der Einfachheit halber hier am Beispiel der „Großen Freiheit." zu bündeln. Wieviel Brutalität, Gewalt, Ausbeutung bis hin zur Versklavung in die Prostitution durch die/das Zuhälterunwesen findet sich hier und obendrein noch die moralische Verachtung der Frauen, das stellt nun die tatsächlichen Abhängigkeitsverhältnisse in so grotesker Weise auf den Kopf, wie dies in der Tat nur in einer, ich muß den Begriff hier einmal gebrauchen, Männergesellschaft möglich ist, die jedem gerecht Denkenden - auch den Männern - vor Entrüstung die Röte ins Gesicht treiben sollte. Das, nicht die offene Hose, meine ich, sollte das sittliche Empfinden verletzen. Nun gut, es gibt so viele Ungerechtigkeiten, warum nicht noch diese? Aber warum lassen die Frauen sich das gefallen?
Auf der anderen Seite will dieser Roman erklären, in gewisser Weise „aufklären" und richtet sich damit auch und besonders an die Frauen. Vergewaltigungen von Frauen sind schlimm, aber die Wurzel des Übels liegt weit hinter dem Spaß an der Lust. Was der Abgeordnete unter seiner Decke macht (s. Bd. 3) ist nicht nur fiktional zu verstehen, es ist die Wirklichkeit, weil er nicht anders kann, Voyeurismus ist nicht lustvoll spaßhaft, sondern zwanghaft. Der Mann ist in bestimmten Verhaltensweisen programmiert, so wie die Frau auch, aber zwischen beider Wahrnehmungs- und Gestaltungsformen liegen Welten. Würden die Frauen bestimmte sensuelle Mechanismen begreifen können, besäßen sie in der Tat einen Schlüssel zur Macht, aber im Gegensatz zum Schlüssel zur nur systemabhängigen wirtschaftlichen Macht einen Sicherheitsschlüssel. Und solange die Frau sich nicht auf sich selbst zurückbesinnt, sondern dem Mann nur „gleich sein" will, wird sich für sie und überhaupt nichts Wesentliches verbessern.
Die Frage, zwingt Verweigerung die Männer in die Knie, ist in der Literatur seit Lysistrata nicht mehr gestellt worden. Sie ist bis heute ein Novum geblieben. Seltsam eigentlich, dabei ist sie naheliegend. Dennoch erscheint der Grund einleuchtend, welcher Mann würde die Frage konsequent zu Ende denken, welche Frau könnte es?
Am Ende steht jedoch eins fest: Macht korrumpiert nicht nur. Jede Herrschaft, ich wiederhole, jede Herrschaft bis in ihre kleinste Zelle trägt den Keim der Totalität in sich. Gibt man ihm Raum, wird er unverzüglich alle anderen Pflanzen überwuchern. Hier deckt sich die Aussage des Romans mit der in Orwells „1984"
Die Trilogie schwimmt, gewollt allerdings, gegen den Strom, gegen unsere gewohnten Denkschablonen. Sie setzt aber auch bei den Frauen Toleranz gegenüber anderem Denken, gegenüber männlichen Mechanismen voraus und die Einsicht, daß der Machtvirus wie ein Grippevirus auch Frauen befallen kann.